Lesenswert!

 

 Archäologischer Dienst Graubünden
"Zillis - Von der spätantiken Kulthöhle zum frühmittelalterlichen Bestattungsplatz"

 

204 Seiten, broschiert
Edition Somedia, CHF 40.00
ISBN 978-3-907095-34-8

Im Sommer 1990 fanden Kinder in einer Höhle südlich von Zillis Knochen, die sie ihrem damaligen Pfarrer brachten. Die Kno­chen landeten beim Archäologischen Dienst Graubünden und jetzt, mehr als dreissig Jah­re später, liegt das Buch «Zillis» vor. Darin werden die Erkenntnisse der Grabungen und umfangreichen Forschungen präsentiert.

 

Die Herausgeber schreiben zum Buch: Die durch den Archäologischen Dienst Graubünden ausgegrabene Höhle in Zillis­ Reischen ist europaweit ein herausragendes Zeugnis zur spätrömischen und frühchrist­lichen Glaubenswelt. Ein interdisziplinäres Team von Wissenschaftler*innen der Ar­chäologie, Zoologie und Bodenkunde hat nun die Geschichte dieser Höhle umfas­send ausgeleuchtet und neu geschrieben.

 

Zwischen dem 3. und 5. Jahrhundert n. Chr. stand die Höhle, verschlossen mit einer Holzwand, nur einer kleinen heidni­schen Kultgemeinschaft offen, der sie als Versammlungs­ und Kultlokal nutzte und hier einer Gottheit wohl orientalischen Ursprungs huldigte. Ein mit plastischen Schlangen dekoriertes Kultgefäss, zahlrei­ches Geschirr aus Keramik, Glas und Speck­stein sowie etwa 13‘000 Tierknochen las­sen auf geheimnisvolle Rituale und üppige Kultmahlzeiten schliessen. Hinzu kommen zahlreiche, von Kultteilnehmern deponierte Votivgaben, darunter fast 650 Münzen.

 

Wie ein als Kreuz geschnitzter Knochen annehmen lässt, wird die Höhle spätestens ab dem 6. Jahrhundert möglicherweise zur Wirkungsstätte einer christlichen Gemein­schaft oder eines Eremiten.

 

Nur wenig später diente sie als Gruft von drei ausgewählten Gläubigen. Für die im 7. und 8. Jahrhundert Verstorbenen wurde auf dem Gelände vor der Höhle ein Fried­hof angelegt, von dem aber nur eine Grup­pe von sieben Gräbern untersucht ist. Mit dem Ende der Bestattungen fällt die Höhle in einen Dornröschenschlaf, aus dem sie erst wieder mit der Entdeckung durch Kin­der in den 1990er Jahren und den folgen­ den Ausgrabungen geweckt worden ist.